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HomocysteinExperte
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 Krebsrisiko und Folsäureeinnahme
Folsäurefortifikation hat das Kolonkrebsrisiko in den USA nicht erhöht {Gibson TM, Einstein SJ, 2011 Am J Clin Nutr}
Eine höhere Folateinnahme steht mit dem Auftreten von weniger Geburtsdefekten in Zusammenhang. Dies führte in einigen Ländern zu der Entscheidung, dass alle Getreideprodukte mit einer geringen Menge an Folsäure fortifiziert wurden, so dass alle Frauen im gebärfähigen Alter eine zusätzliche Einnahme von 250 µg/Tag Folat aus angereicherten Nahrungsmitteln zu sich nehmen. Einige Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass eine höhere Folsäureeinnahme für ein gesteigertes Krebsrisiko verantwortlich sein kann. Allerdings gibt es keine Beweise, die diese Behauptung unterstützen.
Krebs ist eine Erkrankung mit mehreren Ursachen und einem klaren Einfluss von Umweltfaktoren, einschließlich aber nicht ausschließlich der Ernährung. Man geht davon aus, dass eine chronische Einnahme von hohen Folsäuredosen die Entwicklung von bereits bestehenden Geschwülsten zu Krebs fördern kann. Ergebnisse von klinischen und experimentellen Studien sind nicht schlüssig, aber es gibt eine allgemein als sicher angesehene Einnahmegrenze für Folsäure.
Ein zeitweiliger, paralleler Anstieg von Kolonkrebsrisiko wurde mit dem Beginn der Folsäurefortifikation in den USA in Zusammenhang gebracht [1]. Diese Beobachtung beweist jedoch keinen kausalen Zusammenhang zwischen Krebs und der Folsäurefortifikation. Die Erhöhung des Kolonkrebsrisikos scheint zu Beginn des Jahres 1996 begonnen zu haben, die Entscheidung zur Fortifizierung wurde durch die FDA (Behördliche Lebensmittelüberwachung und Arzneimittelzulassungsbehörde) im März 1996 getroffen; die Blutfolatkonzentrationen begannen aber erst ab 1997 zu steigen. Dieser Anstieg des Krebsrisikos zwischen 1996-1999 deutet auf eine nahezu sofortige biologische Reaktion nach der Fortifizierung hin [2]. Darüber hinaus kann die Einführung von Früherkennungsprogrammen für Kolonkrebs dazu beigetragen haben, dass mehr Fälle als zuvor entdeckt werden konnten. Die folgende Studie mit einer längeren Beobachtungszeit konnten keine Erhöhung des Kolonkrebs bei Menschen mit höherer Folateinnahme in der Zeit nach Einführung der Fortifikation bestätigen (Gibson, TM Am J Clin Nutr 2011 in press). Gleichzeitig konnte kein erhöhtes Pankreaskrebsrisiko bei Menschen gefunden werden, die Folsäurepräparate zu sich nahmen [3].
Es wurden Bedenken laut, dass eine Folsäureeinnahme > 200 µg/Tag das Auftreten des unmetabolisierten Vitamins im Plasma hervorrufen kann. Man geht davon aus, dass sehr hohe Folsäuredosen das Tumorwachstum im Tiermodell fördern können [4,5]. Eine Folsäureeinnahme > 1 mg/Tag stehen im Verdacht, bestehende Tumore zu verschlimmern oder die Entwicklung von Krebsvorstufen zu beschleunigen. Jedoch konnten viele Studien zeigen, dass eher Folatmangel als eine hohe Einnahme mit der Anfälligkeit für Krebs assoziiert war. Diese Mechanismen beinhalten DNA-Schäden und zu geringe Methylgruppen.
In einer Studie mit einem 13jährigen Beobachtungszeitraum waren fast alle Frauen mit einer Gesamtfolateinnahme > 493 µg/Tag Vitaminnutzer, aber sie zeigten kein erhöhtes Brustkrebsrisiko [6]. In einer anderen Studie (5 Jahre Beobachtungszeitraum) war das Brustkrebsrisiko 22% geringer bei Frauen mit > 1272 diätetischen Folatäquivalenten/Tag (> 748 µg Gesamtfolat) verglichen mit Frauen, die 345 diätetische Folatäquivalente/Tag (< 203 µg Gesamtfolat) einnahmen [7]. Frauen, die zusätzlich folsäurehaltige Supplemente einnahmen, erreichten eine durchschnittliche tägliche Einnahme von 1210 µg und 1154 µg nach und vor der Fortifikation [8]. In einer großen Studie mit postmenopausalen Frauen war keine Erhöhung des Brustkrebsrisikos assoziiert mit der Folataufnahme mit der Nahrung > 337 µg verglichen mit < 234 µg (Risikorate (95% Konfidenzintervall) 0.98 (0.78/1.24); p=0.63) oder supplementierter Folsäre < 400 µg/Tag verglichen mit 0 µg (1.11 (0.85/1.48)) [8]. Supplementierte Folsäure ≥ 400 µg/Tag (oder eine tägliche Gesamtfolateinnahme aus Nahrungsmitteln und Supplementen > 853 µg) war mit einem höheren Risiko für Brustkrebs bei postmenopausalen Frauen assoziiert (1.32 (1.04/1.68): p=0.03) [8]. Jedoch gab es einen schützenden Effekt bei höherer Folateinnahme bei Frauen, die größere Mengen Alkohol konsumierten [8]. Die vorliegenden Beweise unterstützen demnach weder einen Zusammenhang zwischen dem Krebsrisiko und einer geringen oder mittleren Einnahme von Folsäure noch einen Zusammenhang zwischen dem Krebsrisiko und Konzentrationen von unmetabolisierter Folsäure im Serum [2].
Kürzlich wurde in einer Studie von Gibson et al., (Am J Clin Nutr 2011) das Auftreten von Kolonkrebs bei über 525.000 Studienteilnehmer aus den USA nach Fortifikation im Zusammenhang mit der täglichen Folsäureeinnahme untersucht. Nach einem Beobachtungszeitraum von 8,8 Jahren nach der Folsäurefortifikation fanden die Autoren, dass die Gesamtfolateinnahme (Diät plus Supplemente oder fortifizierte Lebensmittel) von > 900 µg/Tag mit einem geringeren Auftreten von Kolonkrebs (30% geringer) assoziiert war, verglichen mit einer Einnahme von < 200 µg/Tag. Die höchsten Einnahmen aus Supplementen oder aus der Nahrung wirkten sogar schützend (20% Schutz).
Literatur
[1] Mason, J.B.; Dickstein, A.; Jacques, P.F.; Haggarty, P.; Selhub, J.; Dallal, G. and Rosenberg, I.H. (2007) Cancer Epidemiol. Biomarkers Prev., 16(7), 1325-1329. [2] Berry, R.J.; Bailey, L.; Mulinare, J. and Bower, C. (2010) Food Nutr. Bull., 31(1 Suppl), S22-S35. [3] Oaks, B.M.; Dodd, K.W.; Meinhold, C.L.; Jiao, L.; Church, T.R. and Stolzenberg-Solomon, R.Z. (2010) Am. J Clin Nutr., 91(2), 449-455. [4] Song, J.; Medline, A.; Mason, J.B.; Gallinger, S. and Kim, Y.I. (2000) Cancer Res, 60(19), 5434-5440. [5] Lindzon, G.M.; Medline, A.; Sohn, K.J.; Depeint, F.; Croxford, R. and Kim, Y.I. (2009) Carcinogenesis, 30(9), 1536-1543. [6] Stevens, V.L.; McCullough, M.L.; Sun, J. and Gapstur, S.M. (2010) Am. J Clin Nutr., 91(6), 1708-1715. [7] Maruti, S.S.; Ulrich, C.M. and White, E. (2009) Am. J Clin Nutr., 89(2), 624-633. [8] Stolzenberg-Solomon, R.Z.; Chang, S.C.; Leitzmann, M.F.; Johnson, K.A.; Johnson, C.; Buys, S.S.; Hoover, R.N. and Ziegler, R.G. (2006) Am. J Clin Nutr., 83(4), 895-904.
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