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Vitamin B12-Mangel: Ursachen, Diagnostik, Prävalenz
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Beitrag Vitamin B12-Mangel: Ursachen, Diagnostik, Prävalenz
Vitamin B12 wurde bei der Erforschung einer früher als unheilbar geltenden Krankheit, der perniziösen Anämie, entdeckt. Vitamin B12 ist essentiell für die Zellteilung und -funktion. Die hauptsächlichen Vitamin B12-Quellen für den Menschen sind die folgenden Nahrungsmittel: Leber, Fleisch, Fisch, Milch, Käse und Eier.
Vitamin B12 ist wichtig für die Synthese von DNA, für die Funktion des zentralen Nervensystems und die Erythropoese (Bildung von Blutzellen). Im Körper bestehen große Vitamin B12-Speicher (in der Leber, Niere, Gehirn und anderen Organen), weshalb eine Unterversorgung klinisch erst nach einigen Jahren erkennbar wird. Generell entwickelt sich der Vitamin B12-Mangel über verschiedene Stadien. Am Anfang sind die klinischen Symptome kaum bemerkbar. Der klinische Vitamin B12-Mangel hat prinzipiell zwei Manifestationen, die megaloblastäre Anämie (vergrößerte rote Blutzellen) und neurologische oder neuropsychiatrische Symptome. Die megaloblastäre Anämie gilt als später, aber auch unspezifischer Indikator eines Vitamin B12-Mangels. Personen mit einem gesicherten Vitamin B12-Mangel weisen bei Diagnosestellung in 30 – 75% der Fälle neuropsychiatrische Symptome auf. Diese können auftreten bevor die Vitamin B12-Konzentration das untere Referenzlimit unterschreitet. Die neurologischen Symptome sind sehr oft nicht reversibel. Deshalb ist die Vorbeugung wichtiger als die Behandlung.


Prävalenz
Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) eines Vitamin B12-Mangels in der allgemeinen Bevölkerung ist höher als bislang angenommen (1;2). In Deutschland liegt die Prävalenz von B12-Mangel bei jüngeren Personen bei 5 bis 7% (3;4). Ein funktioneller B12-Mangel [erhöhtes MMA (Methylmalonsäure) und erniedrigtes HoloTC (aktives Vitamin B12)] ist im Alter weit verbreitet bei gesunden Personen über 65 Jahre (Prävalenz von 10 – 30%) (1;2;5). Von Senioren wurde auch berichtet, dass, obwohl die empfohlene tägliche Aufnahme von Vitamin B12 (>2,4 µg/Tag) meist erreicht wurde, eine hohe Prävalenz an leicht abnormalem Vitamin B12-Status vorlag (erhöhtes MMA und Homocystein), der nicht-diätetischen Ursachen (wie z.B. Malabsorption) zugeordnet wurde (6). Bei älteren Patienten aus Straßburg mit Vitamin B12-Mangel wurde gezeigt, dass 53% eine Nahrungs-Vitamin B12-Malabsorption aufwiesen, 33% hatten perniziöse Anämie (Blutarmut, die auf Vitamin B12-Mangel beruht), in nur 2% lag ein diätetisch bedingter B12-Mangel vor und in 11% war die Ursache des B12-Mangels ungeklärt (7). Es sollte aber erwähnt werden, dass aufgrund der niedrigen RDA (recommended dietary allowance = empfohlene Tagesdosis) für Vitamin B12 bei älteren Menschen die diätetische Unterversorgung unterbestimmt ist.

Diagnostik
In der Diagnostik des Vitamin B12-Mangels ist die Bestimmung des Vitamin B12 im Blut im Vordergrund. Dem Konzept der direkten Bestimmung der metabolisch aktiven Vitamin B12-Fraktion, dem HoloTC, auch als aktives Vitamin B12 bezeichnet, wird dabei große Beachtung geschenkt. Die Bestimmung von Gesamt-Vitamin B12 durch HoloTC zu ersetzen, wird derzeit in Studien geprüft. Darüber hinaus spielt in der Diagnostik die Methylmalonsäure (MMA) als sensitiver Marker eines intrazellulären, funktionellen Vitamin B12-Mangels eine herausragende Rolle (8;9). Während Homocystein auch bei Folat- und Vitamin B6-Mangel ansteigt, wird MMA als spezifischerer und sensitiver Marker eines funktionellen Vitamin B12-Mangels angesehen (10).

Ursachen für eine Vitamin B12-Defizienz sind folgende:
– Eine längerfristige Fehl- und Mangelernährung bei Vegetariern
– Totale bzw. partielle Gastrektomie (Entfernung des Magens), chronische Gastritis mit resultierender Hypo- bzw. Achlorhydrie (Fehlen des Magensäure im Magensaft)
– Pankreasinsuffizienz (Einschränkung der Funktion der Bauchspeicheldrüse)
– Darmerkrankungen, z.B. tropische Sprue (Malabsorptionserkrankung), langstreckiger Dünndarmbefall bzw. bevorzugter Befall des terminalen Ileum (Teil des Dünndarms) bei Morbus Crohn, Blindloop-Syndrom (gestörte Aufnahme von Fetten, Kohlenhydraten, Vitaminen und Mineralstoffen)
– Ausgedehnter Parasitenbefall, z.B. Fischbandwurm
– Eine selektiv angeborene B12-Resorptionsstörung (Imerslund-Grasbeck-Syndrom)

Im fortgeschrittenen Alter entwickelt sich häufig eine Malabsorption von nahrungsgebundenem Vitamin B12. Der Grund hierfür ist eine atrophische Gastritis (Magenschleimhautentzündung), bei der im Anfangsstadium zwar ungenügend Säure und Enzyme (Pepsin), aber ausreichend Transporter-Protein (Intrinsic Faktor = IF) gebildet wird. In diesem Stadium kann zwar Nahrungs-B12 nicht mehr aufgenommen, aber als Supplement zugeführtes Vitamin B12 kann noch absorbiert werden. Bei fortgeschrittener Atrophie kann auch nicht mehr genügend IF gebildet werden, so dass dann die rezeptorvermittelte Aufnahme von Vitamin B12 stark eingeschränkt ist. Oral aufgenommenes Vitamin B12 kann dann nur noch rezeptorunabhängig über passive Diffusion aufgenommen werden. Durch Einnahme höherer Dosen an Vitamin B12 (bis 1 mg täglich) ist es deshalb möglich, doch einen ausreichenden Blutspiegel an Vitamin B12 zu erzielen (11). Eine alleinige Substitution von Vitamin B12 bei älteren Menschen wird aber nicht empfohlen, sondern immer eine Kombination aus Vitamin B12, B6 und Folsäure. Ist die passive Resorptionsfähigkeit nicht mehr ausreichend, so kann unter Umgehung des Magen-Darmtrakts durch Injektion (1 mg pro Monat) der Vitamin B12-Haushalt normalisiert werden.


Risiko Gruppen für Vitamin B12 Mangel:
-Vegetarische, vegane und makrobiotische Diät
-Neugeborene und gestillte Kleinkinder von vegetarischen Müttern
-Alte Menschen
-Neurodegenerative und -psychiatrische Erkrankungen
-Chronisch-atrophische Corpus-Gastritis
-Erkrankungen des terminalen Ileum
-Pankreasinsuffizienz
-Chronische Leber- und Nierenerkrankungen
-Makrozytäre Anämie
-Chronischer Alkoholismus
-Medikamente
-AIDS-assoziierte Myelopathie






Literatur

1. Obeid R, Schorr H, Eckert R, Herrmann W. Vitamin B12 status in the elderly as judged by available biochemical markers. Clin Chem 2004;50:238-41.
2. Herrmann W, Obeid R, Schorr H, Geisel J. The usefulness of holotranscobalamin in predicting vitamin B12 status in different clinical settings. Curr Drug Metab 2005;6:47-53.
3. Herrmann W, Obeid R, Jouma M. Hyperhomocysteinemia and vitamin B-12 deficiency are more striking in Syrians than in Germans--causes and implications. Atherosclerosis 2003;166:143-50.
4. Herrmann W, Obeid R, Schorr H, Geisel J. Functional vitamin B12 deficiency and determination of holotranscobalamin in populations at risk. Clin Chem Lab Med 2003;41:1478-88.
5. Herrmann W, Schorr H, Bodis M, Knapp JP, Muller A, Stein G, Geisel J. Role of homocysteine, cystathionine and methylmalonic acid measurement for diagnosis of vitamin deficiency in high-aged subjects. Eur J Clin Invest 2000;30:1083-9.
6. Howard JM, Azen C, Jacobsen DW, Green R, Carmel R. Dietary intake of cobalamin in elderly people who have abnormal serum cobalamin, methylmalonic acid and homocysteine levels. Eur J Clin Nutr 1998;52:582-7.
7. Henoun LN, Noel E, Ben AM, Locatelli F, Blickle JF, Andres E. Cobalamin deficiency due to non-immune atrophic gastritis in elderly patients. A report of 25 cases. J Nutr Health Aging 2005;9:462.
8. Joosten E, van den Berg A, Riezler R, Naurath HJ, Lindenbaum J, Stabler SP, Allen RH. Metabolic evidence that deficiencies of vitamin B-12 (cobalamin), folate, and vitamin B-6 occur commonly in elderly people. Am J Clin Nutr 1993;58:468-76.
9. Savage DG, Lindenbaum J, Stabler SP, Allen RH. Sensitivity of serum methylmalonic acid and total homocysteine determinations for diagnosing cobalamin and folate deficiencies [see comments]. Am J Med 1994;96:239-46.
10. Savage DG, Lindenbaum J, Stabler SP, Allen RH. Sensitivity of serum methylmalonic acid and total homocysteine determinations for diagnosing cobalamin and folate deficiencies [see comments]. Am J Med 1994;96:239-46.
11. Rajan S, Wallace JI, Brodkin KI, Beresford SA, Allen RH, Stabler SP. Response of elevated methylmalonic acid to three dose levels of oral cobalamin in older adults. J Am Geriatr Soc 2002;50:1789-95.


Mi Jun 29, 2011 5:04 pm
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